Knäblein klein lernt singen

Projektchor der Musikschule stellt neues Programm vor

Das sehens- und vor allem hörenswerte Resultat einer viermonatigen Probearbeit hat der Projektchor der Musikschule Wetzlar am Freitag im Konzertsaal vorgestellt. 150 Besucher waren gekommen, um die 60 Sängerinnen und Sänger, die Instrumentalisten der Musikschule und die Solistinnen Iduna Demmer und Annette Meisner zu erleben.

„Lieder und Chorsätze aus Barock und Moderne“ hieß das Motto und Chorleiter Thomas Sander hatte wieder spannende Ausgrabungen im Angebot. Der musikalische Kern waren zweifellos Paul Hindemiths Lieder vom „Plöner Musiktag 1932“. Der Komponist hatte für diesen Tag einige Lieder komponiert, die man als Gesangsübungen für fortgeschrittene Chöre bezeichnen könnte. Dabei bewies Hindemith nicht nur hohes kompositorischen Können, sondern auch eine humorvolle Distanz zu seiner Passion. Der spöttische Aufruf „Auf, lern singen du Knäblein klein“ zeigt dem Angesprochenen bereits, dass das Singen nicht so einfach ist, wenn man es gelernt hat aber lebenslange Freude bringt.

Zum Auftakt war mit Paul Hindemiths „Wer sich die Musik erkiest“ bereits ein anspruchsvoller Kanon erklungen und die Besucher erfuhren von Sander, dass sich beim Erlernen der Hindemithstücke auch der musikalische Horizont der Sänger erweitert. Die im Programm angekündigten Barocklieder sang Iduna Demmer, begleitet von Sander am Flügel. Die drei altitalienischen Arien von Georg Friedrich Händel, Alessandro Scarlatti und Benedetto Marcello standen in reizvollem Kontrast zu den turbulenten Beiträgen des Projektchors. Nach den Liedern vom „Plöner Musiktag“ trat mit Annette Meisner die zweite Solistin des Abends in den Vordergrund. Die ambitionierte Sängerin erfreute mit vier nordamerikanischen Liedern von Samuel Barber, William Schuman, John Duke und Peter Jenkyns.

Zum Abschluss gesellte sich in bewährter Tradition eine Instrumentalgruppe der Musikschule zu den Interpreten. Zusammen mit dem Projektchor nahm das Bläserensemble die Zuhörer wieder mit in die Zeit des Barock und präsentierte „Vier vergnügliche Lieder“ aus Valentin Rathgebers „Ohrenvergnügendem und gemüthsergötzendem Tafelkonfekt“ sowie eine herzerfrischende „Courante aus selbiger Zeit vier- und fünfstimmig gesetzt“ von Johannes Hömberg. Es war das fünfte Mal, dass Musikschulleiter Sander ein so ehrgeiziges Projekt realisierte. Eindrucksvoll bewiesen die Sängerinnen und Sänger, dass er sein Versprechen, dass auch absolute Laien im Projektchor aufführungsreifen Chorgesang erlernen können, gehalten hat.


Wetzlarer Neue Zeitung, 21.06.2011