Ein Fagott schafft schnell Kontakt

Gürzenich-Quintett in der Musikschule

Unter dem Titel „Dancing Bassoons“ (Tanzende Fagotte) gastierte das Gürzenich-Fagottquintett am Sonntag in der Musikschule. 160 Besucher erlebten ein außergewöhnliches Konzert mit einem Instrument, das sonst eher ein bescheidenes Dasein im Hintergrund führt. Mit dem vielseitigen Programm bewiesen die Musiker, dass das Fagott durchaus als Rückgrat der Philharmonie interpretiert werden kann.

„Lassen Sie Ihr Kind Fagott lernen, und es wird schnell Kontakt finden in der Musikszene“, empfahl Klaus Lohrer, der mit dem imposanten Kontrafagott für die tiefen Töne sorgte. Wenn ein Schüler mit einem Fagottkoffer über den Schulhof gehe, werde er sofort angesprochen, ob er nicht mitspielen wolle. Dass das Fagott ein außergewöhnlich vielseitiges und interessantes Instrument ist, beweisen die fünf Fagottisten mit ihrem Programm. Tanzmusik, Klassiker, Schlager und Musical waren vertreten und Moderatorin Heike Wagner stellte nicht nur die Programmpunkte in gereimter, lustiger Form vor, sondern trat mehrmals auch als Sängerin in den Vordergrund.

„Die gereimten Überleitungen lockern auf und geben uns Gelegenheit, die Lippen zu entspannen zwischen den Stücken“, sagte Ensembleleiter Rainer Schottstädt, der für mehr als die Hälfte der Texte verantwortlich zeichnet, in der Pause. Bei aller Schönheit sei das Fagott kein leicht spielbares Instrument, sondern strenge die Lippen sehr an. Mit Luis Konrad Knodel, Thomas Jedamzik und Ruth Krabbe hatten Schönstädt und Lohrer drei Fagottisten an ihrer Seite, die ebenso virtuos wie unkonventionell an die Sache herangingen.

Das Publikum erlebte ein kurzweiliges Konzert mit gut gelaunten Musikern, die sich des exotischen Eindrucks ihrer Instrumente bewusst waren. Da es in der Musikliteratur fast nichts für diese seltene Besetzung gibt, bestand das Programm aus Bearbeitungen von Werken der leichten und der schweren Muse, wobei die „schweren“ Stücke leicht daher kamen: „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Heinzelmännchens Wachparade“, der „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakow und mehr erklangen so überzeugend, dass das Publikum begeistert applaudierte.


Wetzlarer Neue Zeitung, 31.08.2010