Virtuose macht dankbar

Alvaro Pierri spielt Auftaktkonzert der Gitarrentage

Einer der ganz großen Künstler des derzeitigen internationalen Musiklebens hat am Samstagabend in Wetzlar Station gemacht. In der Musikschule am Schillerplatz eröffnete Alvaro Pierri mit seinem Konzert die 12. Internationalen Gitarrentage der Domstadt. Das städtische Kulturamt und die Musikschule hatten den Gitarrensolisten aus Uruguay zu diesem Auftaktkonzert eingeladen.

Für den südamerikanischen Musikkünstler, der seit sieben Jahren an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst eine ordentliche Professur innehat, bedurfte es keiner weiteren Empfehlung. Einer Musikerfamilie in Montevideo entstammend, gewann Pierri bereits in jungen Jahren bei internationalen Gitarrenwettbewerben namhafte Preise. Rundfunk- und Fernsehproduktionen in aller Welt verschafften ihm in der Fachwelt einen Ruf, der seinesgleichen sucht.

70 Konzertbesucher erlebten in Wetzlar, wie der Gitarrenvirtuose den eher nüchternen Saal der Musikschule in einen Festsaal verwandelte. Virtuosität auf dem Griffbrett seines Instrumentes war gepaart mit einem Wechselspiel zwischen verträumten Zupfbewegungen seiner zarten Finger und energischen Saitenschlägen mit seiner Hand. Die melodische Dynamik seiner Spielweise ließ bei den Zuhörern mitunter beinahe das Atmen vergessen. Mit Charme und wenigen Worten erläuterte Pierri seine Vortragsstücke. So erzählte er, wie ihn Maria Luisa Anido (1907 - 1996) in seiner Heimat dazu gebracht habe, das abgebrochene Gitarrenspielen wieder aufzunehmen. Von seiner Förderin spielte Alvaro Pierri im Verlauf des Konzerts „Preludio Pampeano“ und „Bailecito“.

Den aus Argentinien stammenden Komponisten Alberto Ginastera (1916 - 1983) charakterisierte Pierri nicht zuletzt im Blick auf seinen Kompositionsstil als „einen eleganten Gaucho“. Dessen einziges Gitarrenstück „Sonata para guitarra“ op. 47 aus dem Jahre 1976 bildete den Abschluss des zweistündigen Konzerts. Der Schlussapplaus der Zuhörer entsprach ganz dem Stil, den Pierri durch die Interpretation der zumeist aus der ibero-lateinamerikanischen Gitarrenliteratur stammenden Stücke vorgegeben hatte: Nicht hysterisch-überschwenglich, sondern aus tiefem Gefühl herzlicher Dankbarkeit zollten sie einem noblen Künstler Beifall.

 

Wetzlarer Neue Zeitung, 01.11.2009