Kästner stimmt nachdenklich

KONZERT Musik und Texte gefallen

Qualitativ gewohnt hochwertige Unterhaltung bot die Wetzlarer Musikschule am Sonntag mit einem Erich- Kästner-Abend.

Im Mittelpunkt standen Kurzgeschichten und nachdenklich stimmende Gedichte des deutschen Schriftstellers und Drehbuchautors, sowie Lieder. Neben den von Thomas Sander rezitierten Texten wurde auch passende Musik unter anderem von Johann Strauß, Edmund Nick und EdvardGrieggeboten,sodass insgesamt ein stimmungsvoller Abend mit melancholisch- satirischen Nuancen gelang. Mehr als 100 Zuschauer waren von der klaren Sprache ergriffen. Zum Auftakt spielten Anke Bartsch-Polle (Violine), Manuela Möglich (Violine), Dieter Grebe (Violoncello) und Sander (Klavier) das wohl bekannteste Instrumentalstück von Johann Strauß, die „Annenpolka“. Sander verzichtete darauf, Kästners Lebenslauf vorzustellen und ließ den Dichter mit seinem „Kurzgefassten Lebenslauf“ selbst sprechen. Erich Kästner habe sich selbst als ein Autor gesehen, der Bücher für Kinder schreibt und für die, die es geblieben sind, zitierte Sander den Autor. Deutlich spiegelt ein Gedicht das Lebensgefühl einer Generation wider, die ihre Jugend und Unschuld im Ersten Weltkrieg verlor: „Auch ich muss meinen Rucksack selber tragen! Der Rucksack wächst. Der Rücken wird nicht breiter. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ich kam zur Welt und lebe trotzdem weiter“. Musikalische Höhepunkte waren das Instrumentalstück „Solveigs Lied“ von Grieg und das von Christa Berger hervorragend gesungene „Das Leben ohne Zeitverlust“ des zeitgenössischen Komponisten Edmund Nick. Der zweite Teil des Konzertes war kürzer, aber nicht weniger unterhaltsam. Musikalischer Schwerpunkt waren wiederum Lieder von Nick, „Die möbilierte Moral“ und „Das Spielzeuglied“. Passend zu dem pazifistischen Grundton rezitierte Sander das bekannte Gedicht „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?“