„Reiseleiter“ Sander führt durch die Klassik

Unterhaltsamer und humorvoller Vortrag in Wetzlar über 500 Jahre Musikgeschichte

Erstmals hat die Wetzlarer Musikschule eine Reise durch 500 Jahre europäischer Musikgeschichte angeboten. 50 Besucher lauschten dem Vortrag von Schulleiter Thomas Sander. Im zweistündigen Programm ging es auf unterhaltsame und humorvolle Weise durch Epochen, Musikstile und –arten.

Der Musikpädagoge verstand es, sein Publikum sozusagen als Reiseleiter mitzunehmen durch die Werke der Klassik. Der Unterricht für Erwachsene fand auch bei denen Anklang, die bislang kein Instrument beherrschen. Sander machte aus dem für ungeübte Ohren eher fremden Stoff eine interessante Einführung. Dabei verquickte er die thematische Arbeit mit einem Ratespiel, bei dem jeder Zuhörer mitmachen konnte. Zu gewinnen gab es Kurse der Musikschule sowie Bücher und CDs, die die Buchhandlungen der Altstadt gestiftet hatten.

Sander eröffnete mit dem Werk „So bitten wir den Heiligen Geist“ des italienischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557 bis 1612) und erläuterte die Doppelchöre. Der Kantor der Markuskirche in Venedig hat die Tradition der Mehrchöre aus der Renaissance im Barock zur Blüte gebracht. Dass diese Musiktechnik noch heute angewendet wird, zeigte er an einem Werk von Bruno Maderna (1920 bis 1973).

Um die Besucher noch stärker in den Vortrag einzubinden, hatte Sander ein Stück von Igor Strawinsky ausgewählt, das für zwei Personen am Klavier angelegt ist. Gisela Zentgraf aus Waldgirmes wagte es, gemeinsam mit Sander das Werk vorzutragen. Sander hatte bewusst jemanden aus dem Publikum ausgewählt, der noch keine Kenntnisse im Klavierspiel hat.

Werke von Johann Sebastian Bach und Giacomo Puccini folgten. Teils spielte Sander Aufnahmen von CDs vor, teils setzte er sich selbst an den Flügel. Anhand der Oper „Xerxes“ über den Perserkönig Ahasveros von Georg Friedrich Händel zeigte Sander auf, wie unterschiedlich das Werk interpretiert werden kann. Er führte Beispiele von dem deutschen Tenor Fritz Wunderlich und des Mexikaners Rolando Villazón vor. Zum Abschluss holte Sander eine CD hervor mit klassischen Melodien und fragte, welche Unternehmen mit diesen Titeln Werbung betreiben.

 

Wetzlarer Neue Zeitung, 28.04.2010