Feinfühlig interpretiert

60 Zuhörer erlebten Julia Hechler und Christian Zielinski

Das dritte und letzte Konzert der „Internationalen Gitarrentage Wetzlar“ am Sonntagmittag im Konzertsaal der Musikschule ist ein Forum für junge Künstler gewesen. Das seit 2006 konzertierende „Stuttgarter Gitarrenduo“ - Julia Hechler und Christian Zielinski - bot den rund 60 Zuhörern feinfühlige Interpretationen von Werken unterschiedlicher Stilistiken.

Das Duo gab darüber hinaus auch verbale Kurzinformationen zu den Werken. Julia Hechler hat ihre musikalischen Wurzeln in Wetzlar, da sie Schülerin der Musikschule gewesen ist. Das Duo errang Preise bei angesehenen Kammermusikwettbewerben. Hechler und Zielinski sind überdies Stipendiaten der Hochbegabten-Förderung der ING DiBa, der Yehudi-Menuhin-Stiftung. „Live Music Now“ und der Gesellschaft der Freunde der Musikhochschule Stuttgart. Beide studieren in Stuttgart. Musikschulleiter Thomas Sander wies vorab noch darauf hin, dass die neu eingeführte Sonntagsmatinee im Rahmen der „Gitarrentage“ der Nachwuchsförderung diene und in den kommenden Jahren fortgesetzt werden soll; in den zwei Konzerten an den Vorabenden treten wie gewohnt arrivierte Gitarristen auf.

Drei Sonaten von Domenico Scarlatti (1685 - 1757) eröffneten den Programmreigen. Die ursprünglich für Cembalo geschriebenen Stücke wurden für zwei Gitarren eingerichtet. Obwohl Scarlatti Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach ist, wendete er sich in seinen Klaviersonaten von der Fuge ab und bereitete den Weg in die klassische Epoche. Die immense Sicherheit in der Spieltechnik, der dynamische Schliff und der feine Ausdruck gefielen. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit nahmen Hechler und Zielinski die beiden schnellen Sonaten (K 381, K162). Die langsame Sonate K 263 gaben sie stimmungsreich wieder: Die Musik vermittelt Impressionen spanischer Landschaften.

Ein typisch „spanisches Instrument“ ist die Gitarre ohnehin, daher fehlte auch der Komponist Manuel de Falla nicht. Glutvolles Feuer entfachte das Duo bei der Wiedergabe der Farrucca (Tanz des Müllers) aus de Fallas „La vida breve“ („Das kurze Leben“). Das überquellende Temperament sowie die rhythmischen Funken rissen mit. Beethovens Andante cantabile aus seinem Streichquartett op. 18 Nr. 5 ist ein origineller Variationssatz. Das Duo spielte alle fünf Varianten ausdrucksvoll: Atemberaubend wurden die kunstfertigen musikalischen Figuren wiedergegeben, die hier der Musik den Pfeffer geben. Das ausbalancierte Klangbild und der abgerundete Ton waren ein sich durch das gesamte Programm ziehendes lobenswertes Merkmal des Stuttgarter Duos.

Ein Ausflug in die Moderne wurde ebenfalls unternommen. Reizvolle Sprödigkeit und prägnante Rhythmik zeichnete die Wiedergabe des Divertissements von Jean René Desire Francaix (1912 - 1997) aus. Präludium und Fuge Nr. 24 c-Moll aus Mario Castelnuovo-Tedescos (1895 - 1968) „Wohltemperierter Gitarre“, einem Pendant zu Bachs „wohltemperiertem Klavier“, erklang in ebenfalls akribisch ausgearbeiteter Interpretation. Der jüdisch-italienische Komponist emigrierte 1939 in die USA und arbeite auch als Filmkomponist in Hollywood. Mit der Zugabe „Farewell“ von Sergio Assad verabschiedete sich das ambitionierte Gitarrenduo.

Wetzlarer Neue Zeitung, 03.11.2009