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„Deutsche Meisterin auf der Blockflöte“


Iris Eichhorn holt Bundestitel

Wäre sie Sportlerin, dürfte sich Iris Eichhorn ab sofort Deutsche Meisterin nennen. Doch die 14-jährige Wetzlarerin turnt nicht wie Fabian Hambüchen, sie spielt Blockflöte. Mit ihrem Instrument erspielte die Schülerin der Wetzlarer Musikschule beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert 2009“ in Essen den 1. Preis. Der sportliche Meistertitel mag sensationeller klingen, die Leistung aber ist gleichwertig, sagt ein stolzer Musikschulleiter Thomas Sander.

Mit 29 Konkurrenten hat es Iris in ihrer Altersklasse (Jahrgänge 1993 bis 1995) beim Bundeswettbewerb in Essen aufgenommen. 15 Minuten dauerte  ihr Vorspiel vor der Jury, auf verschiedenen Flöten - von der Piccolo- bis zur Altflöte. Werke der Spätrenaissance, des Barock und der Moderne waren das Programm der 14-jährigen. Die Jury vergab 24 der 25 möglichen Punkte - einen 1. Bundespreis. Schon beim vorangegangenen Regionalentscheid im Februar in Gießen und beim Landeswettbewerb im März in Schlitz hatte die junge Wetzlarerin herausragende Wertungen erzielt.

Sie ist „total glücklich“ über ihren großen Erfolg beim Bundeswettbewerb. Täglich hatte sie bis dahin 30 bis 45 Minuten geprobt. „Extrem nervös“ sei sie kurz vor ihrem Auftritt gewesen. Doch nach den ersten Tönen „hat es nur noch Spaß gemacht“. Anschließend folgten die große Erleichterung und bereits die Gewissheit: „Ich war gut“. Mitgefahren nach Essen waren neben ihren Eltern auch Bekannte. Vater Joachim Eichhorn, bekannt als Domkantor in Wetzlar, begleitete Iris bei ihrem Vorspiel auf dem Cembalo. Natürlich ist auch er mächtig stolz auf seine Tochter. „So einen Erfolg kann man nicht planen, aber die besten Voraussetzungen dafür schaffen“, sagt er. „Mitgezittert“ in Essen hat auch Marianne Boldt-Fierla, seit 32 Jahren Lehrerin für Block- und Querflöte sowie Klavier an der Wetzlarer Musikschule. Iris Eichhorn besucht ihre Klasse, seit sie sechs ist. „Große Musikalität, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit beim Üben und viel Spaß und Freude“ zeichnen ihren Schützling aus, lobt Boldt-Fierla. Hartnäckigkeit war auch in den Wochen vor dem Wettbewerb gefragt. Zu den wöchentlichen 30-Minuten-Einheiten kamen etliche Sonderproben hinzu.

„Wir haben viele Wochenenden in der Musikschule verbracht“, berichtet Boldt-Fierla, „ohne geht es nicht“. Überschwängliches Lob erhält Iris auch von Musikschulleiter Sander: „Das ist eine grandiose Leistung, wir sind sehr stolz. Für uns ist das Antrieb, auf unserem Weg weiterzumachen.“ Mit Iris habe die Musikschule ihre Tradition erfolgreicher Schülerinnen und Schüler bei dem renommierten Wettbewerb fortsetzen können. Den letzten Bundessieg holte 2004 das Gitarrenduo Julia Hechler und David Senz nach Wetzlar. Iris Eichhorn belegte vergangenes Jahr mit Ronja Carolina Seibel und Sally Becher als Blockflötentrio einen 3. Preis beim Bundeswettbewerb in Saarbrücken.

Iris stammt aus einer extrem musikalischen Familie. Neben ihrem Vater, dem Domkantor, spielt Schwester Astrid, ebenfalls Blockflöte und Cello, Bruder Markus Posaune und Klavier. Trotzdem versichert sie, aus freien Stücken und mit jeder Menge Spaß ihre Freizeit in die Musik zu investieren. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt ihr nicht, Iris spielt außerdem seit etwa fünf Jahren Geige, ist Mitglied im Jugendsinfonieorchester Wetzlar und ihrem Blockflötentrio und singt außerdem im Kantoreichor. Privat hört die 14-Jährige an Musik „eigentlich alles - je nach Laune“, von R&B-Musik á la Leona Lewis oder Rihanna bis zu Orchestermusik. Ob sie selbst einmal ihr großes Hobby zum Beruf machen will, weiß Iris noch nicht.

Wetzlarer Neue Zeitung, 10.06.2009

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