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Tucholsky erfreut 200 Besucher

Texte und Lieder in der Musikschule Wetzlar

„Es gibt keinen besonderen Grund, kein Geburtstag, kein Jubiläum, für dieses Konzert, außer dass wir es machen wollten“, hat Musikschulleiter Thomas Sander zu Beginn des Tucholsky-Abends „Lerne Lachen ohne zu weinen“ am Samstagabend erklärt. Die unterhaltend satirische Mischung aus Texten von Kurt Tucholsky (1890 bis 1935), Liedern und leichter Musik aus der Tucholsky-Zeit erfreute knapp 200 Besucher.

Zum Auftakt intonierte ein Salonensemble - Anke Bartsch Polle (Violine), Manuela Bellof (Violine), Dieter Grebe (Cello), Anja König (Kontrabass), Thomas Sander (Klavier)- spritzig Marsch und Can Can aus Offenbachs Operette „Die schöne Helena“. Mit Operetten - und Walzerseligkeit ging es weiter: „Liebeslieder“-Walzer von Johann Strauß, „Eine Operettenreise“ von Carl Robrecht.
Mit viel hintergründigem Witz und aparter Sopranstimme sang Christa Berger, stets sicher am Flügel, begleitet von Ruth Grebe, Lieder, denen Tucholsky-Gedichte zu Grunde lagen. Mimik und Gestik der Sängerin unterstrichen die ironischen Textpassagen. Auch die kecke Modulation der prägnante Ausdruck transportierten hintergründige Komik. In Hanns Eislers Vertonung von „Feldfrüchte“ bekam die „ganz verbockte liebe gute SPD“ mit den Worten „bescheidene Radieschen: außen rot und innen weiß „ihr Fett ab. Das Tucholsky sich auch allgemeinen Lebensproblemen annahm, bewies der Vortrag von Ideal und Wirklichkeit: „Man möchte immer eine große Lange, und dann bekommt man eine kleine Dicke - C`est la vie !“ Den grotesken Gegensatz von klein und dick sowie lang und dünn thematisierte auch die Lesung „Ich geh mit einer langen Frau“.

Schmeichelhaft und humorvoll

Der Textvortrag von Thomas Sander war so pointiert, dass herzhaftes Gelächter ertönte. Generell rückten die ausdrucksvoll humorigen Lesungen Sanders Tucholskys Geistesblitze und die treffsichere Ironie ins rechte Licht. Als aktuell erwies sich der Vortrag „Wenn die Börsenkurse fallen“. Bitterböse wurde der Mensch und seine Schwächen im Text „Der Mensch“ zum Gegenstand der Satire. Weitere Glanzlichter waren die Lieder „Mir ist so mulmig in der Brust“ und „Familienbande“. Die Salonmusiker schmeichelten mit vielen Darbietungen den Ohren, etwa mit der zauberhaften Wiedergabe von Edgar Elgars „Salut d´amour“. Gut, dass der Tucholsky-Abend auch ohne Jubiläum stattgefunden hat. Dies meinte wohl auch das nicht nur am Ende reichlich Beifall spendete Publikum.  Als Zugabe gab es, passend, Erich Kästners „Man müsste wieder“ in der Vertonung von Nick Edmund, vorgetragen von Berger und Grebe.


Wetzlarer Neue Zeitung, 27.03.2009

 

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