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Patschen, klatschen, schnippen

Kurs „Bodypercussion“ in der Wetzlarer Musikschule


von Gerhard Gerbig

Wetzlar. Patschen, klatschen, schnippen, stampfen. Es geht um Koordination des Körpers, das abstimmende Zusammenspiel von Händen und Füßen. „Bodypercussion“ heißt das in der modernen Ton- und Musiklehre und meint alles, was mit oder auf dem Körper getrommelt wird. Zwölf Frauen haben sich zu diesem musikalischen Wochenendkurs im großen Saal der Wetzlarer Musikschule eingefunden und frönen dieser gleichsam simplen wie schwierigen Musiklehre ohne Noten.


Aufmerksam folgen sie den Ausführungen und Anleitungen des Universitätslehrers und Sozialpädagogen Michel Widmer vom Salzburger „Mozarteum“. Durch entsprechende Übungen erfahren die Teilnehmerinnen Rhythmus und Bewegungsfluss am eigenen Körper. Sie gehen einzeln durch die Reihen der Kolleginnen und klatschen sie mal rhythmisch mal im beliebigen Takt ab. Dazu bewegen sich übereinstimmend auch die Füße - hätten die Damen ihre Absätze mit Eisen beschlagen, könnte man mit etwas Phantasie auch eine Heavy-Metal-Ouvertüre heraushören.

„Es gibt Unmengen von Spielen, die sich mit dieser Körpermusik instrumentalisieren lassen“, ermuntert Widmer seine Elevinnen, stellt wieder zwei Reihen auf, lässt zur Rechten die Hände hohl falten und zur Linken die Handflächen so flach strecken, als wolle man einem Pferd Zucker geben. Der darauf geklatschte Handschlag produziert auf den geschlossenen Händen die Bässe und auf den flachen Flächen den Diskant, die Oberstimmen. Dann wiederum spielt das Körperorchester auf Rücken und Oberschenkeln als bereite es sich auf einen Schuhplattler vor. Alles schön rhythmisch und sauber akzentuiert. Und schon folgt die nächste Stufe. Dazu sitzen die Teilnehmerinnen im Kreis. Musik, Sprache und Gestik sollen sich zur harmonischen Synthese vereinen. „Hey“ rufen sie und dann „Hey, hello“ und den türkischen Gruß „Meraba“.

Das klingt gut, ist aber in seiner Gesamtheit zu dürftig. Also hängen sie noch ein „Guten Tag“, ein „Welcome“ und ein „Buenos dias“ an und schon windet sich eine mimische musikalische wohlklingende Sprachschlange durch die Stuhlreihen und zaubert ein zufriedenes Lächeln auf die Gesichter. Es sind meist Musik- und Sozialpädagoginnen, die in diesem Kurs ihren Horizont und ihr Fachwissen erweitern möchten.

Ursula Fischer zum Beispiel ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin, leitet eine Theater-AG und hat in ihrem Wohnort Grävenwiesbach auch eine Tanz-AG mit Bewegungslehre gegründet, womit sie vor allem Seniorenkreise motivieren möchte. Mit dem Unterricht in der schwierigen Altersstufen der achten und neunten Klasse hat eine Lehrerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, keine leichte Aufgabe. „Die machen manchmal richtig zu“, beschwert sie sich und hofft, mit der Anwendung der gewonnenen Kenntnisse die ihr anvertrauten Jugendlichen aus der Reserve zu locken.

Ein vielfältiges Aufgabenfeld hat auch Gabriele Phifer zu bearbeiten. Sie unterrichtet in der Grund- und Förderstufe, arbeitet aber auch für die Lebenshilfe und an der Musikschule und unterrichtet Gitarre. Von dem Kurs erhofft sie sich neue Impulse für ihre Tätigkeit. Das gilt auch für Ute Röder, die in einer Behinderteneinrichtung arbeitet und ihre persönlichen Betreuungs- und Unterhaltungsangebote vielseitiger machen möchte. Sozialarbeiterin Marianne Best arbeitet mit Bedürftigen und sieht in der Musik das beste Medium, um Menschen zu erreichen. Geräusche und Rhythmen, von denen Kinder profitieren, möchte Kinderchorleiterin Claudia Droß mitnehmen und weitergeben.

Doch nicht nur Bodypercussion bestimmt den Kurs, dessen verwandtes aber doch zweites Standbein die Boomwhackers verkörpern. Das unterschiedlich lange Kunststoffröhren, die tonal aufeinander abgestimmt sind. Beim Schlagen auf verschiedene Untergründe (Knie, Stühle, Fußböden) ergeben sich unterschiedliche Töne.

WNZ, 13.02.2009

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